F wie Fragebogen

18. September 2018 // Tina Hentschel

Tina Hentschel ist viel in der oberlausitzer Zivilgesellschaft unterwegs, politisch engagiert und arbeitet als Tina Hentschel ist viel in der oberlausitzer Zivilgesellschaft unterwegs, politisch engagiert und arbeitet als "Anwältin für Kinder" im Verfahrensbeistand und Vormundschaften

Wie heißt du?

Tina Hentschel

Zweiter Vorname?

Den haben mir meine Eltern scheinbar noch nicht verraten 🙂

Worüber hast du zuletzt herzlich gelacht/bitterlich geweint?

Ich habe mir vorgenommen, nie eine Mama zu werden, die zum Schuleintritt des Kindes vor Tränen das Taschentuch auspacken muss. Nun ist es doch passiert, denn ich bin so stolz auf uns. Als Team haben wir geschafft, was ich nicht für möglich hielt, als ich mit unserer Tochter alleinerziehend war. Ich hatte solch Zweifel an mir selbst, war voller Angst und unerfahren beim ersten Kind – habe aber gelernt, wie sehr Mama-Power uns über Grenzen gehen lässt. Liebe ist die Antwort auf alle Unsicherheiten und Nicht-Perfekt-Sein absolut MamaLike. Meine Tochter hat es nicht interessiert, wie ich früh nach einer schlaflosen Nacht aussah, ob meine Hosen mal enger oder lockerer saßen oder ob ich viel Geld auf dem Konto hatte. Was zählt, war und ist Liebe und das war die wichtigste Lektion überhaupt. In all dem Alltagsstress dann das Lachen nicht zu vergessen und mich selbst auch mal auf die Schippe nehmen zu können, ist die Kunst, mit der wir unsere Lockerheit bewahren und die Akkus wieder aufladen.

Was fällt dir leichter: Ankommen oder Aufbrechen?

Aufbrechen ohne Anzukommen! Ich habe einen wahnsinnigen Gestaltungsdrang in mir, unsere Heimat voranzubringen und für unsere Kinder und Enkel (man klingt das alt J) für die Zukunft auf feste Beine zu stellen. Immer wieder Aufbrechen also, Neues wagen, über Grenzen gehen und denken, ohne aber Anzukommen und sich auszuruhen, bequem einzurichten oder gar stehen zu bleiben. Wir leben in einer spannenden Zeit, da braucht es unseren weiblich feinfühligen und taktvoll mutigen Blick.

Wovon lebst du?

Vor allem von der Liebe und Zuneigung mir nahestehender Menschen und einem tiefen christlichen Glauben an das Gute in den Menschen. Das ist für mich auch beruflich, u.a. bei Gericht als „Anwältin für Kinder“ eine Basis, auf der ich versuche, für die Kleinsten etwas zu bewirken. Um die Probleme der Menschen zu verstehen und auch Schwächen akzeptieren sowie positiv in Stärken wandeln zu können, brauche ich diese Gewissheit, an die Liebe zu glauben – in so vielen verschiedenen Ausprägungen.

F wie Kraft, F wie …?

Leidenschaft – als Ehefrau, Freundin, Geliebte, Weltentdeckerin, Familienmanagerin, Mutter mit großem Herz und starken Nerven, Berufstätige, Vordenkerin.

Was findet man in deiner Tasche?

Pssssst großes Frauengeheimnis! Wir können doch der Männerwelt nicht die Tiefen unserer (Taschen)-Seele offenbaren 😉 Aber so viel will verraten sein: fast alles, was Frau, Berufstätige und Mutter braucht.

Wie lebst du in 10 Jahren?

Da habe ich hoffentlich noch genauso viel Leidenschaft, Dinge anzupacken und den Mut, unbequem ehrlich und direkt zu sein. Mit der heute großen Hoffnung, dass unsere Kinder dann meinen, wir haben zumindest Einiges in ihrem Leben richtig gemacht und auf einen guten Weg gebracht. Mit diesem Anspruch an mich selbst, stehe ich jeden Morgen auf und meistere jeden noch so sonnigen und wolkigen Tag.

Hast du einen Plan B?

Davonlaufen?! Eingraben?! Auswandern?! Nein, im Ernst: es werden sich immer Türen öffnen, wenn sich bei den Plänen, die wir uns ausgemalt haben, eine Tür schließt. Ich habe den festen Glauben, dass wir den großen ganzen Plan unseres Lebens sowieso nicht verstehen werden. Es ist aber beruhigend, dass es diesen bestimmt in irgendeiner Schublade dort oben gibt. Auch in Tiefen des Lebens vertraue ich darauf, an diesen zu wachsen, mit Kraft und neuer Erfahrung etwas Positives rausziehen zu können. Das ist im ersten Moment des Scheiterns nicht immer schmerzfrei, aber wohl einfach Teil unseres Lebens. Und Pläne B, C bis Z finde ich eigentlich ganz spannend, was da wohl auf mich zukommt … J

Welches Buch liegt neben deinem Bett?

Ich habe unlängst eine Studie zur Gehirnforschung gelesen, wonach wir uns selbst positiver „programmieren“, wenn wir jeden Tag 10 Dinge aufschreiben, für die wir dankbar sind, die uns gut gelungen sind und Freude bereiten würden. Daher liegt mein Positiv-Buch direkt griffbereit neben meinem Bett.

Wo fühlst du dich am Lebendigsten?

Das sind so manch kleine Dinge unseres Lebens: mit dem Tretboot raus mitten auf den See fahren und ins kühle Nass rutschen, im Regen tanzen, laut singend durchs Haus wirbeln, mit Freundinnen den kalorienreichsten aber leckersten Schokokuchen genießen, auf hohen Dächern die Weite unserer Heimat und manch Ferne bestaunen, ins kalte Gebirgswasser springen, auf dem Barfußweg jeden Zentimeter meiner Füße spüren, in die Sterne schauen und träumen, Schaumtürme in der Badewanne bauen, auf High Heels über unwegsame Pflastersteine das Leben jonglieren und in Herausforderungen stürzen, die Andere für Unmöglich erklären.

Wovon hast du als Letztes geträumt?

Vom Alltag eines kleinen Jungen, den ich beruflich begleiten durfte. Solch Träume, Dinge die uns nah gehen, machen uns letztlich in sozialen Berufen erst menschlich und lebendig. Schicksale von Anderen bewegen uns, wir nehmen Anteil an diesen und helfen mit großem Herz. Davon gibt es beeindruckend viele Menschen, die im Kleinen jeden Tag die Welt etwas reicher machen.

Mehr zu Tina Hentschel findet sich auf ihrer Facebookseite Heimat ist mehr als ein WOrt  .