09.03.2026: Frauen:streik in der Lausitz – Weil wir endlich laut genug sein wollen!

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Am 9. März 2026 findet bundesweit der intersektional-feministische Frauen:streik statt. Die Erweiterung des Internationalen Frauentag am Sonntag (!) 8. März 2026, um den Streiktag am Montag, 9. März 2026 geht auf die Initiative enough.org zurück, die zum globalen Generalstreik aufrufen und etabliert sehen wollen. Eine weitere Initiative, die auch auf Bundesebene aufrufen, ist das Töchterkollektiv, um endlich Veränderungen zu bewirken. Auch in der Strukturwandelregion Lausitz rufen wir zum Mitmachen auf. Und ja: Dieser Tag geht uns alle an.

Wir leben in einer Zeit, in der die Schlagzeilen kaum noch überraschen und genau das ein Problem ist. Die sogenannten Epstein-Files und der Umgang mit ihnen zeigen so deutlich wie noch nie auf, wie hartnäckig Macht, Geld und männliche Netzwerke sich gegenseitig schützen – länderübergreifend und schamlos. Die kürzlich erschienene Biografie von Gisèle Pelicot beschreibt, was patriarchale Gewalt über Jahre hinweg anrichtet und wie sehr Betroffene kämpfen müssen, um überhaupt wahr- und ernstgenommen zu werden. Nahezu täglich werden Frauen und Mädchen gewaltvoll getötet. Laut BKA 2024 wurden insgesamt 859 Opfer versuchter oder vollendeter Tötungsdelikte, der Großteil davon durch Partner, Ex-Partner oder Familienmitglieder. Dabei werden diese Morde bisher immer noch nicht als Femizide erfasst. Und wenn ein CDU-Ministerpräsidentenkandidat wie Manuel Hagel mit sexistischen Aussagen gegenüber minderjährigen Schülerinnen auffällt und echte Konsequenzen ausbleiben, dann ist das leider kein zufälliger Einzelfall.

Warum streiken?

In der Lausitz, einer Region im Wandel, ist seit mittlerweile Jahrzehnten bekannt, dass vorrangig junge Frauen wegziehen, u.a. weil sie weniger berufliche Perspektiven und Angebote, dafür mehr strukturelle Benachteiligungen erleben.  Die verheerenden Folgen für die Transformationsregion sind in zahlreichen wissenschaftlichen Studien, Prognosen und Berichten dargestellt. Dennoch kämpft das Thema nach wie vor um politische Relevanz und Priorisierung.

Zudem erleben wir alle fast täglich in irgendeiner Form die Auswirkungen des Patriarchats, sei es in Form von unbezahlter Care Arbeit als Fundament unseres sozialen Lebens, bei beruflichen Chancen, in unseren Beziehungen, im Gesundheitssystem, die Liste lässt sich leider beliebig fortführen. All das sind nur sichtbare Spitzen eines Eisbergs, der tief in unserer gesellschaftlichen Struktur verankert ist. Und wir Frauen sind noch zu sehr damit beschäftigt, genau dieses System aufrecht zu erhalten. Zu oft relativieren wir, zeigen uns nicht unbequem genug, nicht uneingeschränkt solidarisch untereinander, und vor allem arbeiten wir weiter, für die Familie, für die Jobs, für die Gesellschaft. Trotz aller Bestrebungen für mehr Sichtbarkeit und einer sich immer mehr regenden Wut: Wie lange wollen wir so weitermachen? Wo bleiben politische, gesellschaftliche, persönliche Konsequenzen? Wo ist der kollektive Aufschrei, der nicht mehr ignoriert werden kann? Wir sind offenbar noch nicht wütend genug!

Obwohl wir Frauen und andere marginalisierte Gruppen das Fundament der Gesellschaft bilden, gehören wirtschaftliche Abhängigkeit, Ungleichbehandlung in allen Bereichen und Gewalt weiterhin zum Alltag. Dabei sind Frauen mit Migrationsgeschichte, Schwarze Frauen, Frauen of Color, trans- und nichtbinäre Menschen, Alleinerziehende sowie Personen in prekären Beschäftigungsverhältnissen besonders stark betroffen. Es ist an der Zeit, dass wir uns unserer Wirkungsmacht bewusstwerden und sie nutzen. Das geht nur gemeinsam.

Ein Tag ohne Frauen – und was das bewirken kann

Der Frauen:streik am 09. März, einen Tag nach dem internationalen feministischen Frauenkampftag, ist kein symbolischer Aktionstag. Er ist eine demokratische, kollektive Form politischen Drucks. Er soll endlich deutlich und für alle sicht- und spürbar machen, was bisher tagtäglich unsichtbar ist: Das Sorgearbeit Arbeit ist. Das Gewalt überwiegend männlich ist. Das Ungleichheiten zwischen Geschlechtern politisch hergestellt und nicht privat verursacht sind. Und das all das durch ein patriarchales System ermöglicht und begünstigt wird, das mehr für den Schutz und Erhalt dieses Systems sorgt als für dessen Opfer.

Die Dokumentation „Island – Ein Tag ohne Frauen“ in der WDR Mediathek zeigt eindrücklich was passiert, wenn Frauen kollektiv ihre Arbeit niederlegen. 1975 legten 90 Prozent der isländischen Frauen ihre bezahlte und unbezahlte Arbeit nieder.  Damit stand das ganze Land plötzlich still. Dieser Tag gilt als Wendepunkt für Gleichstellung in Island. Genau darum geht es langfristig: Nicht nur lokal, nicht nur bundesweit, sondern global an einem Tag im Jahr kollektiv sichtbar zu machen, was sonst unsichtbar bleibt. Je mehr Menschen sich beteiligen, desto größer die Auswirkungen. Irgendwann wird Wegignorieren unmöglich.

Der 9. März 2026 kann mehr sein als eine Demo. Er kann ein Festival des Protestes werden. Ein Tag der Wut. Ein Tag der Solidarität. Ein Tag, an dem wir deutlich machen: Wir akzeptieren keine halben Konsequenzen mehr.

Streik in der Lausitz

Am 9. März gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich zu beteiligen – laut oder leise, sichtbar oder im Hintergrund. Der Streik richtet sich nicht nur an Frauen, sondern an alle, die von Ungleichheit betroffen sind oder solidarisch sein wollen. Im Landkreis Görlitz sowie in Bautzen und Görlitz, sind unter anderen geplant:

  • Aktionen im ländlichen Raum – z.B. Ostritz, Zittau, Weißwasser, vor allem Vormittags.
  • Ab mittags: Streik-Café mit Kaffee und Kuchen, Podcasts und Filmen in der FLINTA*rie, Hospitalstr. 29, Görlitz / bis 14:00 Workshops zu Streiten und Streiken
  • Nachmittags ab 14:00 Uhr: Sitzstreik, Aktionen und Teetausch auf dem Marienplatz Görlitz (bringt Decken, Tee und Tassen mit)
  • ab 16:00 Uhr ein Demozug ab Bahnhof Görlitz & Hauptmarkt Bautzen mit Kundgebung vom #Toechterkollektiv, Gedenken an Femizide und gemeinsamem Fastenbrechen
  • Ab 18:00 Uhr Aftershow in der FLINTER*rie mit veganer Küche & Musik

Zusätzlich gibt es die Wunschkarten-Initiative: Formuliert Eure Forderungen, Eure Wut, Eure Visionen auf einer „Wunschkarte“ und gebt sie bei der Demo ab oder bis zum 13.03. in den Rathäusern Görlitz, Zittau oder Niesky. Die Karten werden gesammelt ans Kanzleramt geschickt. Je mehr desto besser. Wenn ihr sonst spontan Ideen oder Fragen habt: Kontakt zum Koordinationsteam aus Görlitz und Landkreis über Instagram (@frauenstreik.goerlitz, @toechtereuropas) oder per Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.).

Mitmachen – auch im Stillen

Nicht alle können demonstrieren. Aber alle können streiken. Verweigert an diesem Tag Konsum. Übernehmt keine Care- oder Hausarbeit. Schreibt Eure Botschaften mit Kreide auf Straßen und Fassaden. Sprecht darüber, ob im Betrieb, in der Schule, im Freund:innenkreis. Jede Handlung zählt. Jede Verweigerung macht sichtbar, wie viel sonst selbstverständlich genommen wird.

Lausitz, wir sind eine Region im Umbruch. Lasst uns diesen Umbruch feministisch, solidarisch und laut gestalten. Nicht gegen Männer, sondern für eine offene, starke Gesellschaft, in der alle Menschen die gleichen Möglichkeiten und Chancen haben.

Seid am 09.03.2026 dabei. Auf der Straße. In geschützten Räumen wie im Streik-Café. Im Lauten oder im Stillen. Aber seid dabei!

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